Tagesarchiv: 2. Januar, 2012

buchtipp: stefan aust – der pirat, die drogenkarriere des jan c.

zu beginn des buchs steht das jähe ende der drogenkarriere des jan c.
im knast setzen sich 8 junkies einen schuss von der gleichen nadel, 7 stecken sich mit AIDS an, jan c. ist einer von ihnen. der 8. unter ihnen ist bereits zuvor weggetreten und setzt sich aus der gleichen nadel nach dem aufwachen einen schuss. das virus war zu diesem zeitpunkt auf der nadel schon abgestorben – er bekommt kein AIDS.

im methadon programm und bereits seit mehreren jahren mit dem AIDS virus im körper besuchte jan c.  stefan aust, die beiden kannten sich aus der kindheit. aust arbeitete bereits als erfolgreicher journalist (“baader meinhof komplex”, später spiegel chefredakteur). in vielen tonbandaufnahmen hat jan c. sein leben dokumentiert und stefan aust die grundlage für das buch der pirat – die drogenkarriere des jan c. geliefert.

stefan aust hat die 20 jahre dauernde drogenkarriere des jan c., die in den 60ern beginnt, nachgezeichnet. nämlich in der schule mit dem ersten joint, der versetzung in ein schulheim und dort die ersten kleinen deals. bereits mit 20 ist jan c. eine große nummer im hamburger drogen-business  (spitzname “haschprinz”) und verschiebt riesige mengen haschisch. zu diesem zeitpunkt dreht sich noch nicht alles um drogen und jan verdient sein geld auch mit dem verkauf von illegalen konzertmitschnitten die auf vinyl gepresst werden. aber das ist bald zu ende und er wird zum grossdealer. so kommt das grosse geld, und damit der umzug in eine villa, dicke autos, nummernkonto in der schweiz, aber auch erste bekanntschaft mit der polizei und u-haft. der schnelle aufstieg ist gefolgt von einem langem und harten abstieg in das triste junkie leben der gosse, in dem die freundin auf den strich geht, apotheken überfallen werden, jeder jedem misstraut, weil es dreht sich alles nur noch um den nächsten schuss.

im leben des jan c. gibt es mehr als eine chance einen anderen weg einzuschlagen, aber an diesen wegkreuzungen entscheidet er sich immer für den weg abwärts, die heroin sucht hat jan schon voll im griff, zu wenig einsicht ist vorhanden um die sucht besiegen zu wollen, der wunsch ein normales leben zu führen fehlt komplett.

da ist die familie, die immer wieder auftaucht und eine wohnung vermittelt, das auto verborgt, oder geld gibt. aber alles nützt nichts: die wohnung wird zerstört und ein sanierungsfall, mit dem auto ein unfall verursacht, und das geld für drogen ausgegeben. oder therapieversuche: nach den ersten gefängnisaufenthalten werden die deals immer kleiner, die sucht immer größer. um dem knast zu entgehen probiert jan eine therapie, aber auch dort hält es ihn nicht lang und er landet wieder in der hamburger junkie szene, bevor er zum letztenmal einen therapieversuch unternimmt bei welchem bei der blutabnahme AIDS festgestellt wird, zum damaligen zeitpunkt gleich einem todesurteil.

die biographie des jan c. ist ein schonungsloser, verstörender blick in das leben eines begabten wiffen jungen aus einer bürgerlichen hamburger mittelstandsfamilie, welche mit dem erstem joint im gymnasium beginnt und 20 jahre später als körperliches wrack im methadon programm endet. stefan aust schildert dieses leben in neutralem und klarem ton ohne jegliche wertung.

außerdem ist das buch ein zeitdokument über die entwicklung des illegalen drogenmarkts der 60er von weichen zu harten drogen in deutschland (von hasch und lsd hin zu heroin, koks, speed) und schildert den umgang der polizei (v-männer, bespitzelung) und behörden mit drogendelikten und -süchtigen.

das buch ist 1992 erschienen und gebraucht auf amazon oder bei abebooks erhältlich. außerdem wurde es 1998 verfilmt, leider aber nicht auf DVD erschienen.