lesetipp: shantaram – megaroman für die indienreise

freiluftbookstore in bombay

in diesem herrlichen freiluft buchladen, der nur geschützt von einem baum und ein paar planen  sich über 50 meter entlang einer hauswand an einer strassenkreuzung in mumbai  erstreckt, hab ich mich mit frischer reiseliteratur für kerala eingedeckt. durch hinweis des händlers bin ich auf shantaram aufmerksam geworden, ein klassiker unter bombay touries. alleine hier gab es das mehrmals gebraucht zu haben (erstausgabe 2003), und egal wohin ich sonst noch komme in indien, so klein kann der buchladen nicht sein dass dieses buch nicht vorrätig wäre. warum dass so ist wird einem auf den ersten seiten klar, die erzählung über lin, einen australier der aus einem gefängnis flüchtet und in bombay landet zieht einen von der ersten seite in den bann.

worum gehts?

der 900 seiten roman spielt im bombay der 80er, der leser begleitet linbaba, oder shantaram, wie er später in einem indischen dorf getauft wird, über 5 jahre. in einer zeit in der eine indien reise noch ein größeres abenteuer war, wo ein weißer tourie noch an jeder ecke auffällt.

shantaram ist: indienroman, mafia thriller, lovestory, kriegsroman.

im klappentext steht nicht allzuviel über den autor, außer dass er selbst im gefängnis saß und die fertigstellung des buches eine monsteraufgabe über 13 jahre war. linbaba landet als gefängnisausbrecher aus australien in bombay. gesessen wegen raub, überfall und drogendelikte. verursacht durch den absturz nach der scheidung. seine familie wird er nie wieder sehen.

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so geht der roman los: traveller stories, in bombay eintauchen

ankommen mit dem bus, die fahrt entlang der slums und der austausch mit den ersten anderen travellern. beim aussteigen schließt linbaba freundschaft mit dem inder prabaker, der ihm einen clean and cheap room besorgt, sie trinken whiskey und rauchen hasch, daraufhin verpflichtet er seinen ersten indischen freund gleich für 2 wochen um ihm bombay zu zeigen. und der leser wird auf den ersten 200 seiten mitgenommen auf eine reise durch bombay, die klassischen sehenswürdigkeiten werden abgeklappert, die spots für touries, aber auch die düsteren seiten von bombay werden erkundschaftet. und linbaba lernt karla kennen, die frau in die er sich sofort verliebt aber für den leser bis zum schluss eine mysteriöse figur bleibt.

linbaba treibt sich im leopold cafe herum, berüchtigt unter westlern, touries, gangstern, wohlhabenden indern. er schließt dort freundschaft mit einer gruppe von gestrandeten, die sich entweder in bombay verliebt haben oder aufgrund von krimineller vergangenheit nicht wissen wohin. die meisten davon verdienen an provisionsdeals mit touries ihre brötchen. und linbaba fasst fuss in bombay, macht auch ein paar provisionsgeschäfte und taucht weiter ein in die megastadt. die ersten probleme bahnen sich an als sein touristenvisum abläuft. mit einem falschen pass eingereist, als gesuchter gefängnisausbrecher auf der flucht muss er in jedem fall der polizei und jeglichen behörden entgehen.

linbaba im slum von bombay

und die lösung bietet ihm prabaker an: er kann zu ihm in den slum ziehen. dort werden die talente von linbaba als sanitäter erkannt, die genügen dort um zum doktor med aufzusteigen. linbaba wird zu einer art maria theresia. aber nur gutes zu tun genügt ihm nicht. er liebäugelt mit der dunklen seite von bombay, lernt gangster und den don selbst kennen. er rettet leben und wird auch selbst mehrmals kurz vorm ende gerettet.

linbaba im gefängis, bei der mafia und im afghanistankrieg

es läuft eigentlich gut für linbaba, bis er völlig überraschend auf offener straße festgenommen wird und eine welt zusammenbricht. indischer knast: kaum essen, dreck, läuse, schlägereien. fast am ende rettet ihn ein freund aus der unterwelt, dem er ab sofort in schuld steht.

linbaba wird eine tragende säule in der unterwelt, lässt sich auf eine gefährliche reise nach afghanistan ein. der mafia-boss nimmt linbaba mit nach afghanistan. in einer gruppe von afghanen, pakistani und iranern gibt er als weißer das amerikanische gesicht, welches es ihnen leichter macht grenzposten zu passieren. die amerikaner unterstützten damals die afghanischen gotteskrieger im kampf gegen die russen. voran geht es nur am pferd durch schwieriges gelände. guerillakrieg mit der AK47. und wieder entkommt linbaba knapp dem tod und rettet noch einigen anderen das leben.

linbaba hat glück und kommt heil in bombay an. er hat noch einmal die wahl aus der unterwelt auszusteigen. nur war er zu tief drin. ihm wird die leitung der passportfälscherbande angeboten, und der aufstieg in das clan council. er nimmt natürlich an. wie in jedem mafiafilm spitzt sich auch hier alles zu auf einen letzten großen fight, und die mysteriöse karla taucht auch wieder auf.

fazit

die superlativen nehmen kein ende in diesem buch. manchmal ist alles zuviel, wie ein überladener hollywood blockbuster. aber eine so facettenreiche story mit so zahlreichen überraschenden wendungen machen diesen roman in jedem fall lesenswert. um es in filmen zu beschreiben: der mit dem wolf tanzt, indiana jones und slumdog millionaire. aber süchtig machend, perfekter lesestoff für einen langen urlaub, am besten in indien.

lesetipp: shantaram – megaroman für die indienreise

US drohnenangriffe: von 530 toten waren 14 terroristen (2004-2009)

fotoreporter Noor Behram (Al-Dschasira) hält mit der kamera fest was die US drohnen unter zivilisten anrichten, und in kürze öffnet in london eine ausstelung mit seinen bildern. damit berichten auch die großen medien wiedermal über den unsinnigen einsatz von drohnen und die hohen opferzahlen.

“Ich schätze, dass auf einen getöteten Extremisten etwa 15 tote Zivilisten kommen.”

Hamid Mir hat dazu aber noch schlimmere zahlen für den zeitraum 2004 – 2009 parat (interview on youtube):

From 2004 to 2008 there were 34 drone attacks in Pakistan, and from 2008 to march 2009 there were 46 drone attacks in Pakistan. In total 80 drone attacks between 2004 to march 2009. 513 people were killed, out of those 513 about 14 terrorists were killed, the rest were innocent people.

als Obama 2008 die wahl gewann wurde in AfPak gejubelt. eine seiner ersten amtshandlungen war die drohnenangriffe zu intensivieren, um weniger zivile opfer zu haben. in wahrheit wird dabei nur die US army geschont, nicht die bevölkerung von AfPak.

The programme of drone strikes was ramped up under the Obama administration. Last year saw the greatest number of attacks, 118, while there have been 45 so far in 2011, according to a tally kept by the New America Foundation, a thinktank based in Washington.

(Guardian)

US drohnenangriffe: von 530 toten waren 14 terroristen (2004-2009)

podcast: schonungsloser irak/afghanistan bericht

Radio Open Source with Christopher Lydon

nir rosen, unabhängiger journalist aus NY (nicht auf der gehaltsliste von NYT oder CNN), zeichnet ein hoffnungsloses bild vom kampf der USA im irak und afghanistan. sehr hörenswerter podcast für interessierte an der US außen-/kriegspolitik.

success is meaningless in a civil war. first we (the US) destroyed iraq, we then tried to reduce the damage we created in the first place. we called that success and moved on to afghanistan.

podcast: schonungsloser irak/afghanistan bericht