go watch #CITIZENFOUR!

snowdentix

ich habe mir gestern die edward snowden doku von laura poitras im gartenbaukino angesehen und möchte dazu aufrufen dass meine blogleser das gleiche tun. der film lief im gartenbau erst den zweiten tag und ich hab das gartenbau bisher nur bei premieren so voll gesehen. freut mich dass der film auf solches interesse stoßt.

wenn der film in keinem kino in deiner nähe im programm ist ist es sicher im sinne von edward snowden sich der üblichen methoden des webs zu bedienen um an eine eigene kopie zu kommen.

die doku zeichnet die bisherigen ereignisse von der ersten kontaktaufnahme von edward snowden mit greenwald und poitras bis zu seiner ankunft in russland nach. natürlich kann die doku nicht die masse an bisher aufgedeckten überwachungsprogrammen und skandalen durch die snowden dokumente abhandeln, das würde wohl eine 24stündige doku hervorbringen. stattdessen fokusiert sie auf die großen programme wie tempora, prism etc. und zeigt das sich aufbauende medieninteresse. lange szenen der vorbereitung aus dem hotelzimmer mit edward snowden bei den ersten gesprächen mit greenwald und einem journalisten vom guardian. trotz der angespannten situation in den tagen vor der ersten veröffentlichung und des leaks um den whistleblower verliert snowden nicht den humor.

auch wenn ich bisher die leaks rund um snowden und durch ihn aufgedeckten geheimdienstskandale eng verfolgt habe schafft es die doku nochmal so richtig einen wachzurütteln. ich hoffe die doku findet viele seher und wird vor allem an schulen und universitäten gezeigt. auf twitter ist oft zu lesen „if you are a journalist go watch it“ oder „wenn du politik interessiert bist schau dir das an“ etc. – ich würde weiter gehen und sagen es ist bürger_innenpflicht sich diese dokumentation anzusehen.

in wien läuft die doku im gartenbau, filmcasino, ich glaub ins topkino kommt der film auch noch.

außerdem lesenswert ist dieses porträt über snowden im wired, vor allem die passagen die die etappen in snowdens geheimdienstkarriere nachzeichnen die dazu geführt haben dass er sich entschlossen hat an die öffentlichkeit zu gehen.

dokutipp: „work hard – play hard“ grusliges aus dem konzern

eine 90 minuten doku über die neue welt des arbeitens. im schönsten business denglish kommen manager, mitarbeiter, bewerber im assessment center, consultants, change agents, LEAN experten und outdoor teamtrainer zu wort und lassen reinhorchen in diese neue welt der arbeit bei großunternehmen.

die doku beschränkt sich darauf die kamera in meetings mitlaufen zu lassen und in interviews kommen manager zu wort. unvollständige liste der vorgestellten projekte:

  • projekt neues büro unilever in der hamburger hafencity
  • assessment center – management beratung kienbaum (ich glaub bei einem solartechnologie unternehmen)
  • change management bei der deutschen post DHL
  • ein SAP consultant bei einem präsentationstermin von einer talent management software beim IT-entscheider
  • manager von accenture über die neue welt des arbeitens und seine typen
  • ein outdoor team training und dessen peinliche momente

und eines zieht sich durch alle projekte – unter dem deckmantel HR management tun unternehmen alles für ihre mitarbeiter. aber eigentlich geht es ja doch nur darum die mitarbeiter möglichst gläsern zu halten und auf die sekunde genau deren performance bestimmen zu können, um sich von dem schlechteren teil der ressource mensch trennen zu können.

im grunde war nach den ersten 10 minuten der doku alles wesentliche zur neuen welt der arbeit gesagt. das architektenbüro beauftragt von unilever über die neue zentrale in der hamburger hafencity spricht von einem ort an dem mitarbeiter nicht mehr an arbeit erinnert werden soll. alles schön transparent, mehr als ein büro, ein ort der begegnung, an dem innovation passiert,… und am ende bringt es der unilever manager wunderbar unverblümt auf den punkt: „..2011 war erfolgreich.. das nächste jahr aber setzen wir an zu einer megastarken wachstumsmentalität„…. aber dafür haben wir ja jetzt ein schönes büro mit freier platzwahl. aber wehe die zahlen passen nicht, dann ist es vorbei mit der liebe! oder so ähnlich.

eine gute und wichtige doku, die anzusehen wenig spass macht. vor allem bei der langen assessment center szene, die gespickt ist von nonsense floskeln und null-aussagen  möchte man laut aufschreien „ihr lügt euch doch nur gegenseitig an, ihr …“. die einzige teilnehmerin mit authentischen antworten ohne einstudierten bullshit, sie hat ein lachen und wahrheit in ihren antworten, wird genau dafür im feedbackgespräch ermahnt: ihr lachen könnte auf andere irritierend wirken, bitte doch lassen…

konzernarbeitern wird ein spiegel vorgehalten, und für alle anderen liefert die doku einen einblick in die abgründe der austauschbaren monokultur von großkonzernen.