buchtipp: david mitchell – der dreizehnte monat

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david mitchell sagt selbst sein werk cloud atlas ist zu komplex um es zu verfilmen (der trailer dauert 5 minuten!). das matrix regie duo hats trotzdem versucht. und number9dream ist zwar ein sehr tolles buch, aber auch nichts was man so nebenbei liest. der dreizehnte monat ist im vergleich eine wunderbar einfach linear erzählte geschichte, ohne sub-sub-handlungsstränge und zeitsprünge.

der dreizehnte monat ist ein entwicklungsroman in der die hauptfigur jason taylor es im 14. lebensjahr nicht ganz leicht hat.  er kämpft mit einem kleinen hartnäckigen sprachfehler, der ihm das leben am schulhof schwer macht, zankt sich ständig mit seiner älteren schwester („sie ist so reif, wie die sich ausdrücken kann“), wundert sich über das eheleben seiner eltern („wann werden die erwachsenen endlich kapieren dass es nicht darum geht immer recht zu behalten“) und kann nicht glauben dass seine große liebe mit seinem erzfeind zusammen ist. nebenbei geht es mit england bergab, das 1982 unter thatcher im falklandkrieg steht.

ein melancholisches und zugleich lustiges buch das allerhand erinnerungen an die eigene kindheit weckt.

buchtipp: number 9 dream

lust auf einen roman mit elementen aus mystery, thriller, sci-fi und familiendrama?

wusste ich auch nicht bis seite 100 von david mitchells number9dream, der liefert mit number9dream den passenden stoff dazu. die story ist angesiedelt in 2000er jahren in tokio und handelt vom 20 jährigen Eiji, der vom land dorthin zieht um seinen vater zu finden. der hat sich nämlich lange davor aus dem staub gemacht und hat Eiji und seine schwester bei deren mutter gelassen. aber bei der suche  nach seinem vater wird er in allerhand abenteuer hineingezogen die ihn immer weiter von der eigentlichen aufgabe abbringen. er geht seinem job im fundbüro am bahnhof nach, macht bekanntschaft mit der yakuza (der sein vater anzugehören scheint), taucht in videospiel- und hackerwelten ab und am schluss herrscht nur verwirrtheit darüber welche spur jetzt eigentlich die richtige ist um seinen vater zu finden. der leser taucht mit Eiji in traumwelten ab und vergisst den rest.

lesetipp: john updike – terrorist

john updike - terrorist
leseprobe john updike – terrorist

mein buch des sommes 2012, auch wenn es darin gar nicht sommerlich leicht zugeht. und das folgende buch wird wohl irgendwie enttäuschend sein, ich werd erstmal lesepause machen.

terrorist ist john updikes post 9/11 roman. protagonist ahmed, 18 jähriger high school schüler in new prospect, einer tristen new yorker vorstadt in new jersey, geht ein jahr nach 9/11 auf das schulende zu. lehrer jack levy sieht ahmed mit einem stipendium an einem college. doch ahmed, streng gläubiger moslem, ist da schon fest im griff von seinem imam rashid, der ahmed eine ausbildung als LKW fahrer einredet und auch einen passenden job parat hat. im job bei möbelfirma excellency lernt er charlie kennen, der ihm während der fahrten durch new jersey noch anti-amerikanismus beibringt.

und sehr früh kann der leser erahnen worauf es hinausläuft: ahmed soll eine letzte große LKW ladung im namen des dschihad an einen ort bringen um selbst ins paradies zu gelangen. der heimatschutz, das CIA und auch der lehrer jack levy wittern etwas, und ahmed selbst ist nur instrument und stolpert ganz naiv in eine terrorzelle. spannend bis zum schluss. wer für den spätsommer noch einen spannenden thriller sucht…

nicolars carr’s “what the internet is doing to our brains”

the shallowsalways on, SMS, instant messenger, facebooken, twittern, googlen, bloggen, von link zu link springen – dass all dieses hyperaktive hin und her springen zwischen informationshäppchen und devices nicht spurlos an unserem gehirn vorübergeht ist nachvollziehbar. diesem thema hat sich der technologie journalist nicholas carr in seinem buch the shallows – what the internet is doing to our brains gewidmet.

die ersten kapitel hab ich hinter mir, und die startet carr mit einer reise zurück in die 60er, zu mc luhan’s theorie the medium is the message (es geht nicht um den inhalt, sondern das medium selbst) und zum computer hal9000 (der übernimmt kurzerhand die kontrolle über das raumschiff discovery) im film space odysee, bis zu tim berners lee, der wesentlich an der entwicklung des world wide web beteiligt war.

anhand seiner eigenen online historie zeichnet er die entwicklung des internets nach. die begann bei ihm mit einem AOL account (limitiert auf 5h online zeit pro woche), bevor er mit seinem ersten ISP account den zugang zum offenen world wide web, so um ‘96, damals noch mit modem, bekam. 2005 gings ans upgrade ins web 2.0, er startete sein eigenes blog (sein erster blog beitrag im april 2005) und mit social networking kurze zeit später begann nochmal eine andere dimension des informaitonszeitalters.

am beispiel einiger personen macht er klar: wir verlieren mehr und mehr die fähigkeit unsere aufmerksamkeit länger auf ein thema zu richten. immer weniger onliner wollen ein ganzes buch lesen, stattdessem jeden link nachgehen, google anwerfen, ein game zocken und nebenbei an einem text schreiben. ein ehemaliger buchwurm wird geschildert, der kann es sich auch nicht erklären, aber nach dem lesen von 2 absätzen driftet er ab. die geschilderten personen ziehen durchwegs eine positive bilanz: die ständige verfügbarkeit von allen informationen und kontakten macht uns vernetzter, vielseitiger, wissbegieriger.

carr’s conclusion ist eher ernüchternd: web und always on hat uns unruhiger gemacht. der technologiesprung und ständige information overload bringt uns weg vom linearen denken zum vernetzten wahnsinn, der uns immer mehr die fähigkeit des deep thinking nimmt. wir werden also alle ein wenig seichter und flacher (=shallow brain). für jeden vernetzten onliner der sich als nervöser zappelphilipp im browser wiedererkennt eine empfehlenswerte lektüre. wer aber konzentrationsschwächen beim lesen eines buches hat kann auch mal mit diesem langen artikel is google making us stupid von carr beginnen, oder sich ein 4minütiges interview von abcnews auf youtube ansehen.

buchtipp: stefan aust – der pirat, die drogenkarriere des jan c.

zu beginn des buchs steht das jähe ende der drogenkarriere des jan c.
im knast setzen sich 8 junkies einen schuss von der gleichen nadel, 7 stecken sich mit AIDS an, jan c. ist einer von ihnen. der 8. unter ihnen ist bereits zuvor weggetreten und setzt sich aus der gleichen nadel nach dem aufwachen einen schuss. das virus war zu diesem zeitpunkt auf der nadel schon abgestorben – er bekommt kein AIDS.

im methadon programm und bereits seit mehreren jahren mit dem AIDS virus im körper besuchte jan c.  stefan aust, die beiden kannten sich aus der kindheit. aust arbeitete bereits als erfolgreicher journalist („baader meinhof komplex“, später spiegel chefredakteur). in vielen tonbandaufnahmen hat jan c. sein leben dokumentiert und stefan aust die grundlage für das buch der pirat – die drogenkarriere des jan c. geliefert.

stefan aust hat die 20 jahre dauernde drogenkarriere des jan c., die in den 60ern beginnt, nachgezeichnet. nämlich in der schule mit dem ersten joint, der versetzung in ein schulheim und dort die ersten kleinen deals. bereits mit 20 ist jan c. eine große nummer im hamburger drogen-business  (spitzname „haschprinz“) und verschiebt riesige mengen haschisch. zu diesem zeitpunkt dreht sich noch nicht alles um drogen und jan verdient sein geld auch mit dem verkauf von illegalen konzertmitschnitten die auf vinyl gepresst werden. aber das ist bald zu ende und er wird zum grossdealer. so kommt das grosse geld, und damit der umzug in eine villa, dicke autos, nummernkonto in der schweiz, aber auch erste bekanntschaft mit der polizei und u-haft. der schnelle aufstieg ist gefolgt von einem langem und harten abstieg in das triste junkie leben der gosse, in dem die freundin auf den strich geht, apotheken überfallen werden, jeder jedem misstraut, weil es dreht sich alles nur noch um den nächsten schuss.

im leben des jan c. gibt es mehr als eine chance einen anderen weg einzuschlagen, aber an diesen wegkreuzungen entscheidet er sich immer für den weg abwärts, die heroin sucht hat jan schon voll im griff, zu wenig einsicht ist vorhanden um die sucht besiegen zu wollen, der wunsch ein normales leben zu führen fehlt komplett.

da ist die familie, die immer wieder auftaucht und eine wohnung vermittelt, das auto verborgt, oder geld gibt. aber alles nützt nichts: die wohnung wird zerstört und ein sanierungsfall, mit dem auto ein unfall verursacht, und das geld für drogen ausgegeben. oder therapieversuche: nach den ersten gefängnisaufenthalten werden die deals immer kleiner, die sucht immer größer. um dem knast zu entgehen probiert jan eine therapie, aber auch dort hält es ihn nicht lang und er landet wieder in der hamburger junkie szene, bevor er zum letztenmal einen therapieversuch unternimmt bei welchem bei der blutabnahme AIDS festgestellt wird, zum damaligen zeitpunkt gleich einem todesurteil.

die biographie des jan c. ist ein schonungsloser, verstörender blick in das leben eines begabten wiffen jungen aus einer bürgerlichen hamburger mittelstandsfamilie, welche mit dem erstem joint im gymnasium beginnt und 20 jahre später als körperliches wrack im methadon programm endet. stefan aust schildert dieses leben in neutralem und klarem ton ohne jegliche wertung.

außerdem ist das buch ein zeitdokument über die entwicklung des illegalen drogenmarkts der 60er von weichen zu harten drogen in deutschland (von hasch und lsd hin zu heroin, koks, speed) und schildert den umgang der polizei (v-männer, bespitzelung) und behörden mit drogendelikten und -süchtigen.

das buch ist 1992 erschienen und gebraucht auf amazon oder bei abebooks erhältlich. außerdem wurde es 1998 verfilmt, leider aber nicht auf DVD erschienen.

buchtipp: let my people go surfing

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wie ich letzte woche aus der zeitung erfuhr ist die patagonia erfolgsgeschichte vom gründer yvon chouinard jetzt auf deutsch erschienen: let my people go surfing – der (sperrige) deutsche titel: “lass die mitarbeiter surfen gehen”. wer entspannungsliteratur für die work life balance sucht oder sich über eine andere unternehmenskultur informieren will, dem sei das buch empfohlen.

buchtipp: wie eine reise das leben verändert

 

Nach einer Trekking-Tour durch Nepal kündigte John Wood seinen Job als Spitzenmanager bei Microsoft. Jetzt sammelt er Bücher für die Kinder im Himalaya. Er arbeitet 70 Stunden die Woche und fühlt sich glücklich. Ein Gespräch über die Reise in ein anderes Leben

Weg vom Chefsessel: John Wood verließ Microsoft für ein Hilfsprojekt | ZEIT online

interessanter buchtipp im reisemagazin der zeit. john wood hat microsoft china im jahr 1998 verlassen um die organisation room to read zu gründen. eine 3 wöchige nepal reise war ausschlaggebend um sein leben völlig zu verändern.

(noch nicht gelesen, geordert. das englische taschenbuch kostet nur 11€, deutsch derzeit nur gebunden…)

buch führen über deine bücher

es gibt im web einige möglichkeiten festzuhalten, was du wann gelesen hast. eine site welche ich ausprobiert habe ist readme.cc. aber richtig benutzt hab ich es dann doch nicht. ich hab immer eine möglichkeit gesucht dies einfach nebenher zu erledigen, ohne regelmäßig eine community site nur für diesen zweck zu besuchen. fündig geworden bin ich jetzt in facebook und der applikation iRead. in iRead fügst du einfach die bücher deinem virtuellen bücherregal hinzu (suche in iread oder amazon), und legst einen status für das buch fest, (lese gerade, gelesen, will lesen…). das ist alles was ich brauche. zusätzlich gibts noch ein paar community features wie bücher weiterempfehlen, reviews etc.

booksIread

nicht möglich ist es allerdings deine bücherliste geheimzuhalten, oder nur bestimmten iRead anwendern zu zeigen. da über die lesegewohnheiten doch die eine oder andere amateurpsychologische beurteilung möglich wird suchst du vielleicht eine offline lösung.

das ist eigentlich auch viel einfacher: du ordnest dein bücherregal von unten bis oben einfach nach „gelesen“. egal ob sachbuch oder roman – in das regal nach lesefluss einräumen. schön aussehen tut das nicht, aber für das eigene netzwerk im kopf wohl am sinnvollsten. das ganze machst du einmal im jahr. die bücher unterm jahr stellst du oben auf, so siehst du immer wie wenig/viel du gelesen hast. außerdem zeigt sich wieviele ungelesene bücher du besitzt, und das ist mitunter deprimierend ;)

amsterdam

Ian McEwan superstar über amsterdam in amsterdam

was für eine tolerante, weltoffene, erwachsene stadt: die schönen, in geschmackvolle wohnungen umgewandelten speicher aus ziegelstein und geschnitztem fachwerk, die unprätentiösen van goghschen brücken, die unaufdringlichen straßenmöbel, die intelligent und überhaupt nicht verknöchert wirkenden holländer auf ihren fahrrädern, hinter sich ihre ausgeglichenen kinder. noch die ladenbesitzer sahen aus wie professoren, die straßenfeger wie jazzmusiker. es gab keine stadt, die zweckmäßiger angeordnet gewesen wäre.

 

buchtipp – „letzte nacht“ von stewart o’nan

in dieser erzählung beschreibt stewart o’nan das geschehen in einer red lobster filiale nahe eines einkaufszentrums, welche aus nicht ganz klar kommunizierten gründen schließen wird, vermutlich nicht genug umsatz.

aus der sicht von manny, dem langjährigen geschäftsführer der filiale, wird auf knapp 130 seiten der gewohnte gang des restaurants, an seinem regulär letzten öffnungstag, beschrieben. die vorbereitungsarbeiten vor dem aufsperren, die sticheleien zwischen dem servicepersonal wegen trinkgeld, die probleme in der küche wegen unterbesetzung, die knausrigen business men, die eh immer zu wenig trinkgeld geben….

es ist für mich faszinierend, wie einfühlsam, locker leicht  es stewart o’nan schafft mit dieser scheinbar einfachen geschichte mich zu fesseln.

kann ich wirklich nur empfehlen!

review des buchs (nur den anfang lesen wenn du das buch noch lesen willst!!) | wikipedia eintrag stewart o’nan| seine website